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Fahren in der Gruppe

Liebe Chapter-Mitglieder und Gastfahrer,
nehmt Euch einen Augenblick Zeit und lest den nachfolgenden Artikel sorgfältig durch.

Die meisten von uns sind schon in größeren oder kleineren Gruppen gefahren, und haben dabei sicherlich ganz verschiedene Erfahrungen gemacht. Jede Gruppe hat ihre "'eigenen" Regeln und "ungeschriebenen" Gesetze. Es ist deshalb unabdingbar sich vor der Abfahrt unbedingt mit diesen vertraut zu machen und sich abzusprechen. Vor der Abfahrt erklärt der Safety-Officer die anzuwenden Regeln, besonders den Gastfahrern.
Dies ist neben einer abwechslungsreichen Strecke und hoffentlich schönem Wetter die Grundlage für eine genussvolle und unfallfreie Ausfahrt.

Diese nachfolgende Darstellung ist sicher nicht vollständig, jedoch haben wir in der Vergangenheit gute Erfahrung mit den darin gesammelten Tipps und Regeln gemacht.


Wir alle sollten uns darüber im klaren sein, dass wir durch unser Auftreten in der Gruppe nicht immer nur Staunen und Begeisterung auslösen, oft sind andere Verkehrsteilnehmer mit der Verkehrssituation überfordert und dadurch gestresst.

Also: "Augen auf!" Das Fahren in der Gruppe, vor allem über längere Distanzen erfordert ständige Konzentration, Aufmerksamkeit und Disziplin, und es ermüdet.

Dazu wiegt man sich oft in falscher Sicherheit, und wird fast ein wenig hypnotisiert vom Rücklicht des Vorausfahrenden. Besonders bei großen Gruppen werden oftmals Kreuzungen gesichert und abgesperrt. Das soll nicht heißen, dass hier ein Wegerecht erzwungen werden kann. Es kommt immer wieder vor, dass ungeduldige Autofahrer in eine Gruppe "einbrechen" wollen, und dies kann zu gefährlichen Situation kommen.

Vergesst nicht, dass wir uns in einer schwachen Position befinden, da wir die schützende Knautschzone eines Pkw nicht haben. Und abgesehen von gesundheitlichen oder rechtlichen Konsequenzen wäre es doch auch ein Jammer, einen Schaden an der Harley beklagen zu müssen.

Bei allem Gruppengefühl gilt als oberstes Gebot:

 

  • Jeder ist für seine Sicherheit selbst verantwortlich.
  • Das Chapter übernimmt keinerlei Verantwortung für Blessuren, Unfallschäden, Strafmandate o.ä.

 

Haftungsausschluss beim Motorradfahren im Pulk
StVG §§ 7, 17; BGB §§ 823, 249, 252
  1. Fahren Motorradfahrer einvernehmlich auf der Landstraße in wechselnder Reihenfolge als Gruppe ohne Einhaltung des Sicherheitsabstands, führt dies zu einem Haftungsausschluss im Hinblick auf diesen Umstand.
  2. Kollidiert der dritte Fahrer mit dem zweiten, nachdem der erste einen Unfall verursacht hat und beide nicht mehr ausreichend bremsen können, hat der zweite gegen den dritten keine Ansprüche aus §§ 7, 17 StVG.
OLG Frankfurt a. M., Urteil vom 18.08.2015 - 22 U 39/14

OBERSTES GEBOT:

"Safety first!" DEINE Sicherheit zuerst , d.h. lasst Euch durch nichts und niemanden zu waghalsigen Aktionen verführen oder drängen.

ALLGEMEINE VERHALTENSREGELN bei Ausfahrten

Da es, natürlich nur bei anderen Chaptern, immer wieder zu kleineren Unstimmigkeiten bis hin zu haarsträubenden Manövern kommt, gelten bei den Ausfahrten des Rhein-Ruhr Chapters die nachfolgenden Regeln und Hinweise:

  • Zum vereinbarten Treffpunkt für die gemeinsame Ausfahrt erscheinen alle Teilnehmer mit voll getankten Maschinen.
  • Zum äußeren Zeichen der Zusammengehörigkeit tragen möglichst alle Ihre Chapterweste (Kutte).

 

"Sicherheitsabstand"

Durch das versetzte Fahren entsteht ein optimaler Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Gruppenteilnehmern.

Tourleiter (Road-Captain/Director)

  • bestimmt die Richtung/Route
  • die Stopps (Zigarettenpause ca. alle 60-70min)
  • die Grundgeschwindigkeit (Landstraße ca. 80km/h / Autobahn ca. 110km/h)

Tourteilnehmer

  • fährt versetzt mit einem Abstand von ca. 10m nach vorne und hinten und bremst in seiner Spur.
  • fährt nur so schnell, dass der Abstand vom Fahrer hinten eingehalten werden kann.
  • hält die einmal eingenommene Position innerhalb der Gruppe ein.
  • achtet beim Einparken darauf, dass wir ein ordentliches Bild (gleiche Ausrichtung/Lenker links) abgeben
  • in der Gruppe wird nicht überholt.
  • hupt zweimal, wenn der Kontakt zur Gruppe abreißt (Ampel oder techn. Problem)

Schlussfahrer (Safety-Officer)

  • ist verantwortlich, dass keiner zurück bleibt und hilft die Gruppe zusammenzuhalten.

- langsamere Fahrzeuge fahren im ersten Drittel der Gruppe, da dort die Geschwindigkeit am niedrigsten ist.
- für die Straßensicherung werden eventuell spezielle Abmachungen getroffen.

"Lücken schließen"

Es kann immer wieder vorkommen, dass vor einem eine Lücke entsteht, weil jemand aus der Gruppe ausgeschert ist. Es ist eine weit verbreitete gefährliche Unart, diese Lücke durch Seitwärtsverschieben wieder zu schließen. Die korrekte Art, solche Lücken zu schließen ist, von hinten nach vorne auf derselben Spur zu fahren.

Entsteht im Konvoi eine Lücke, dann wird diese nicht seitwärts, sondern von hinten nach vorne aufgefüllt.
Das heißt, dass jeweils hintere Fahrzeug fährt nach vorne in die entstandene Lücke. Nie die Seite wechseln!

 

"Anhalten"

Beim Anhalten vor Kreuzungen, Rotlichtampeln und anderen Hindernissen wird in Zweiergruppen aufgeschlossen und der Abstand zum Vorderfahrzeug so kurz wie möglich gehalten, um ein schnelles Überqueren der Kreuzung zu ermöglichen.

 

"Tempo"

Ganz automatisch fährt man hinten im Konvoi schneller als vorne. Schon bei 10-15 Bikes kann das gute 15-20 km/h ausmachen. Also wird vorne innerorts nicht mehr als 40km/h gefahren – hinten gibt’s schnell 50, außerorts vorne nicht mehr als 60-70km/h – hinten muss man sich dann schon sputen. Das kommt teilweise vom Ziehharmonika-Effekt. Man kann diesen Effekt etwas mindern, wenn alle dieselben Abstände einhalten und konzentriert fahren. Auf längeren Strecken jedoch und auf Strecken mit viel Anfahren, Anhalten und Abbiegen kommt es unweigerlich zu diesem Phänomen.

 

"Fahren in der Gruppe"
Wie vermeide ich es, dass die Gruppe bei einer Ausfahrt getrennt wird und wie verhalte ich mich dann?

  • Der letzte in der Gruppe ist der Saftey-Officer. Solle er nicht anwesend sein, wird durch den Tour-Guide (Director, Road-Captain) jemand vor der Ausfahrt als „Sammler“ für die Tour benannt.
  • Jeder in der Gruppe sollte wissen, wer der letzte ist, damit klar ist wann die Gruppe komplett ist.
  • Es wird nicht abgefahren, bis der „Sammler“ zur Abfahrt bereit steht.
  • Jeder in der Gruppe ist für seinen Hintermann verantwortlich.
  • Jeder in der Gruppe sollte regelmäßig in den Rückspiegel schauen, ob der Hintermann „dran“ ist.
  • Sobald bemerkt wird, dass der Hintermann fehlt, Signal durch Hupen nach vorne geben.
  • Derjenige, der den Anschluss verliert sollte auch versuchen ein (Hup-)Signal zu geben, falls der Vordermann es nicht bemerkt.
  • Derjenige, der nun der Letzte in der vorderen Gruppe ist, fährt mit der Gruppe normal weiter, und zwar so lange nicht abgebogen wird.
  • Sollte rechts abgebogen werden bleibt er nun rechts vor der Abbiegemöglichkeit stehen und wartet auf die „verlorenen“ Member. Sobald sie da sind wird weitergefahren. Es ist darauf zu achten, dass der „Sammler“ dabei ist.
  • Sollte links abgebogen werden, biegt derjenige, der nun der Letzte der ersten Gruppe ist, auch links ab, bleibt aber direkt stehen, damit er sichtbar für die „verlorenen“ Member ist. Wieder bitte auf die Member warten und auf den „Sammler“ achten dann weiterfahren.
  • In der Zwischenzeit sucht der Tour-Guide auf der Tour-Strecke nach einem geeigneten Haltepunkt. Dort wartet die Gruppe bis alle wieder zusammen sind.
  • Es geht gemeinschaftlich weiter.

 

BESONDERE VERHALTENSREGELN bei Ausfahrten des Rhein-Ruhr Chapters

Wer die Tour nicht zu Ende fährt oder die Gruppe während der Fahrt verlassen will, meldet sich vorher beim Tourleiter oder Safety-Officer ab! Es ist ärgerlich ein ganzes Eventgelände abzusuchen, um dann später zu erfahren, dass der/die Member schon gefahren sind.

Damit die Gruppe besser gesehen wird, fahren alle Teilnehmer auch tagsüber mit eingeschalteten Zusatzscheinwerfern (wenn vorhanden).

 

"Überholen" (mehrspurige Straße)

Bei Fahrten z.B. auf der Autobahn, gibt der Tourleiter mit der zur Seite ausgestreckten linken Hand das Zeichen zum Überholen. Jeder links fahrende in der Gruppe gibt dieses Zeichen möglichst schnell nach hinten weiter, woraufhin zuerst der letzte Fahrer bei freier Straße nach links ausschert und so den von hinten ggf. auflaufenden Verkehr blockiert. Erst jetzt fahren die Gruppenteilnehmer auf die linke Spur, wobei eventuell noch neben der Gruppe fahrende KFZ erst vorbei sein sollten, um niemanden "einzuklemmen" und die Gruppe als Ganzes zusammen bleibt.
(Dieses Manöver macht optisch einen Super-Eindruck, bedarf aber einiger Übung und eingeschaltetem Großhirn)

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Fahren in der Gruppe ist ein tolles Erlebnis. Wenn ihr Euch an die Regeln haltet, macht es dazu auch noch richtig Spaß!

!

     also...
  • Versetzt fahren

  • Geschwindigkeit nach dem Fahrzeug hinten ausrichten, im Rückspiegel kontrollieren !!!

  • Position (Fahrspur) in der Gruppe immer beibehalten

  • Nicht überholen

  • Langsame, oder weniger geübte Fahrer fahren am Anfang der Gruppe.

!

 

Wir bewegen uns in der Gruppe ständig in einer rechtlichen Grauzone (Nebeneinander fahren versus Rechtsfahrgebot, und und...), welche sich bei Eintritt eines Schadenfalls jedoch sehr bald aufhellt.
Bei einem Unfall oder in einer rechtlich relevanten Gefahrensituation haben wir schnell mal schlechte Karten.

Wenn Euch also Leib und Leben, Geldbeutel, Harley und nicht zuletzt Euer Führerschein lieb und teuer ist, dann werft hin und wieder mal einen Blick auf die Regeln, druckt sie aus, legt sie unters Kopfkissen, lernt sie auswendig, klebt sie Euch von innen auf die Mopedscheibe, lasst sie Euch auf den Unterarm tätowieren oder sonst was, aber haltet Euch bitte daran!

Und übrigens, ...auch Harleyfahrer grüßen andere Motorradfahrer!
In diesem Sinne wünscht Euch unser Safety-Team eine unfallfreie Saison.

Guido
Head Safety Officer

Micha
Safety Officer
"Röhrich"
Safety Officer

Sollten noch Fragen sein, unsere Sicherheitsexperten sind als Ansprechpartner immer für Euch da.

!!!   Unter Drogen- und Alkoholeinfluss darf niemals gefahren werden   !!!

Anmerkung der Redaktion: bei den beiden oberen Bildern handelt es sich um Fotomontagen

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